Ballhof Eins (Foyer) - Eintritt frei

Talk – Talk – Talk

Die soziale Funktion des Tanzes wird immer wieder angerufen. Anthropologisch gesehen gilt Tanz gar als eine „Universalie“, ähnlich der Sprachfähigkeit des Menschen. Das 20. Jahrhundert richtete den Tanz dagegen im Namen der Kunst neu aus. Nicht mehr die Gemeinschaftsbildung stand im Zentrum, sondern individuelles schöpferisches Handeln. Aber lässt sich diese Trennung wirklich aufrechterhalten? Und sind so genannte Volkstänze tatsächlich etwas „ganz anderes“ als der Kunsttanz? Die zeitgenössischen Gesellschaften des Westens jedenfalls mit all ihren Krisensituationen und sozialen Zerfallserscheinungen schaffen sich immer neue Räume, in denen Tanz als populäre Praxis auftaucht. Von der sozialistischen Volkstanzkultur über HipHop bis zum Einsatz von Tanz in sozialtherapeutischen Kontexten oder künstlerischen Laienprojekten gibt es eine breite Gegenbewegung zum mehr oder weniger elitären „künstlerischen Bühnentanz“. Der Vortrag will an einigen Beispielen diskutieren, von welchen Interessen solche unterschiedlichen Tanzkulturen geleitet sind und welchen Beitrag zur Festigung sozialer Gefüge sie leisten konnten – und können.

Franz Anton Cramer, Tanzwissenschaftler und Autor, beobachtet seit Jahren die Entwicklungen im zeitgenössischen Tanz und unterrichtet an Hochschulen und künstlerischen Einrichtungen im In- und Ausland.

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